FocusCP rehaKIND 2026 übertrifft alle Erwartungen – Versorgung behinderter und chronisch kranker Kinder gemeinsam neu denken

FocusCP rehaKIND 2026 übertrifft alle Erwartungen – Versorgung behinderter und chronisch kranker Kinder gemeinsam neu denken


Vom 4. bis 6. Februar 2026 wurde Dortmund zum bundesweiten Treffpunkt für eine neue Kultur der Kindermedizin: Der Kongress FocusCP rehaKIND brachte in der Messe Dortmund bereits zum dritten Mal alle Akteurinnen und Akteure zusammen, die an der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen beteiligt sind – und vor allem jene, um die es geht: die Familien selbst.

Drei Tage lang wurde diskutiert, gelernt, ausprobiert, zugehört und gemeinsam weitergedacht. Mit über 1.500 verkauften Tickets, zahlreichen Tagesbesuchern der kostenfreien Fachausstellung, 210 Referierenden, 88 Sessions und 81 Ausstellenden setzte der Kongress neue Maßstäbe – nicht nur quantitativ, sondern vor allem inhaltlich und kulturell.

Träger des Kongresses sind die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ), die Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP), die Vereinigung für Kinderorthopädie (VKOU) als FocusCP und die Fördergemeinschaft rehaKIND e. V. Gemeinsam entwickelten sie ein Programm, das in 11 parallelen Räumen und Formaten Medizin, Therapie, Orthopädie- und Rehatechnik, Pflege, Pädagogik, Wissenschaft, Kostenträger – und Familien – konsequent zusammenführte.

Versorgung gelingt nur gemeinsam – auf Augenhöhe
Kindermedizin, Therapie, Hilfsmittelversorgung und Teilhabe lassen sich nicht getrennt denken. Sie gelingen nur interprofessionell, evidenzbasiert und gemeinsam mit Familien. Dies ist ein zentrales Merkmal des Kongresses: Alle Beteiligten begegneten sich als gleichberechtigte Akteure. Eltern, Jugendliche, Wissenschaftlerinnen, Ärzte, Therapeutinnen, Techniker, Pädagoginnen, Pflegende und Kostenträger arbeiteten gemeinsam an Lösungen – nicht nebeneinander, nicht hierarchisch, sondern partnerschaftlich.

rehaKIND Kongresspräsidentin Dr. Carmen Lechleuthner, Ärztin und Mutter eines schwerstmehrfachbehinderten Sohnes, brachte diesen Anspruch gleich zu Beginn auf den Punkt:

„Wir müssen Eltern und deren betroffene Kinder in den Mittelpunkt all unserer Überlegungen stellen. Unsere Kinder passen in keine Norm – aber die Strukturen unseres Systems verweigern sich konsequent ihren Bedarfen. Bei diesem Kongress schaffen wir eine Verbindung zwischen Familien und Medizin. Ich will Familien eine Stimme geben und hören, wie es ihnen geht.“

Klare Worte aus Politik und Fachwelt: Das System stößt an seine Grenzen
Bereits die Eröffnung machte deutlich: Die Herausforderungen sind strukturell – und sie verlangen nach grundsätzlichen Antworten.

„Ein wunderbarer Kongress, der auf noch nie dagewesene Weise das Wissen von Erfahrungsexperten und Fachexperten zusammengebracht hat. Erkenntnisse, Begegnungen und Stimmungen werden noch lange in mir nachwirken.“ So lautet das Fazit von Prof. Dr. Volker Mall, Kongresspräsident für FocusCP.

Mehrere politische Stimmen nutzten den Kongress, um offen über systemische Defizite zu sprechen – und gleichzeitig den Mut zu Reformen einzufordern.

Der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel regte eine Sozialstaatsreform an. Foto: rehaKIND/Baumann

Erneut übernahm Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, die Schirmherrschaft für diesen Kongress: „Inklusion ist keine Gnade, sondern ein Menschenrecht. Es gibt laute Stimmen, die Inklusion zurückdrängen wollen – dabei bedeutet Inklusion Demokratie. Unsere Rechtslage ist nicht schlecht, aber die Umsetzung kommt bei den Betroffenen nicht an. Wir brauchen eine Sozialstaatsreform und müssen das große Rad drehen.“

Auch Stefan Schwartze, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, nutzte die Einladung, um bei der Eröffnungsveranstaltung den notwendigen Kulturwandel zu betonen: „Wir brauchen mehr Patientenorientierung. Aktuell werden oft die Lautesten gehört, während Patientenvertretung vielfach ehrenamtlich und ohne echte Mitspracherechte stattfindet. Wir brauchen mündige, gut informierte Patientinnen und Patienten, die ernst genommen werden.“

Die Botschaft war eindeutig: „Wir müssen das System komplett ändern – kleine Korrekturen reichen nicht mehr.“ Der Sozialstaat ist überfordert, Bürokratie ersetzt zu oft Qualität – und verspätete, verweigerte oder kaputt gesparte Versorgung wird am Ende teurer, menschlich wie ökonomisch.

Blick auf Lösungen statt Problemverwaltung
Was den FocusCP rehaKIND Kongress von vielen anderen Formaten unterscheidet, ist der konsequente Blick nach vorn.

Keynotespeaker Janis McDavid, ohne Arme und Beine geboren, brachte es eindrücklich auf den Punkt: Inklusion bedeutet, sich in die Lebenswelten anderer hineinzuversetzen – und Lösungen zu ermöglichen. „Wir haben es selbst in der Hand, welches Narrativ wir nutzen wollen.“ Der Fokus auf Problemorientierung allein sei „Zeitverschwendung“ – entscheidend sei, Ressourcen, Kreativität und Mut in konkrete und auch unkonventionelle Lösungen zu investieren.

„Nur gemeinsam kommen wir vorwärts“, betonte Prof. Dr. Thomas Dreher von der VKOU und genau diesem Anspruch folgte das Programm – über 200 Referent:innen trugen die Evidenz zur Behandlung von Kindern mit Zerebralparese und angrenzenden Erkrankungen zusammen:

  • Shared Decision Making“ als wirksames Instrument für bessere Outcomes und geringere Kosten
  • „Whole Task Approach“ in der Physiotherapie (Prof. Roslyn Boyd, Australien) als ganzheitlicher, kindgerechter und evidenzbasierter Ansatz
  • Interdisziplinäre Frühintervention und gemeinsame Sprechstunden ermöglichen patientenorientiertes und langfristiges Handeln
  • Evidenzbasierte Leitlinien schaffen sichere Handlungsstrukturen, u. a. erstmals zur Versorgung von Schlaganfällen im Säuglingsalter
  • Kommunikation als Grundrecht annehmen – insbesondere mit Eltern und Familien Fokus auf Aktivität und Partizipation legen statt auf rein funktionelle Therapieziele
  • Künstliche Intelligenz, 3D-Druck und innovative Technologien in Medizin und Rehatechnik schaffen neue Versorgungs- und mehr Teilhabemöglichkeiten
  • Transition, Inklusion und Übergänge in Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt verbindlich mitdenken

Immer wieder wurde deutlich: Gespräche mit Eltern und Familien erhöhen nachweislich die Qualität der Versorgung. Therapeut:innen wurden dabei nicht nur als Behandelnde, sondern als Coaches im gesamten Versorgungsprozess verstanden.

Ein Kongress, der Familien trägt
Ein besonderes Zeichen setzte der erstmals durchgeführte Familiennachmittag, vollständig kostenfrei und von Eltern für Eltern konzipiert.
Die Rückmeldung war eindeutig: „Wir wurden als Experten gehört. Wir waren Teil der Veranstaltung. Unsere Mitwirkung ist auf allen Ebenen wichtig und richtig.“

Raum für echte Gespräche – die begleitende Fachausstellung. Foto: rehaKIND/Baumann

Auch die begleitende Fachausstellung wurde als außergewöhnlich wahrgenommen:
„Hilfsmittel sind nicht einfach Produkte, sondern sie ermöglichen Teilhabe und Entwicklung“. Die den Kongress begleitende Fachausstellung bot Zeit zum Ausprobieren, Raum für echte Gespräche, offene Praxisvorträge im Ausstellungsforum und mitten im Geschehen – dieses Angebot wurde von Fachleuten und Familien gleichermaßen genutzt. „Deutschland hat enormes Potential, wenn Innovationen wie KI oder neue Fertigungstechniken nicht durch Bürokratie gebremst werden. Andere Länder machen es vor, wie Innovation zu mehr Versorgungsqualität führen kann“, erklärte Karsten Werner, regionaler Versorger und rehaKIND Fachhandelsbeirat.

Am Ende waren sich alle einig: Dieses Format ist einzigartig – und notwendig.
FocusCP rehaKIND zeigt, dass nur gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe, gerade in Zeiten knapper Ressourcen, nachhaltigen Erfolg verspricht. Dass Inklusion kein „Nice-to-have“, sondern Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie ist. Und dass Humanmedizin eine humane Medizin möglich macht, wenn wir den Mut haben, Strukturen zu verändern. „Wir ermutigen Familien ausdrücklich dazu, dies beständig und laut von uns einzufordern“, erklärt Prof. Dr. Florian Heinen von der GNP.

Das Gesundheitssystem braucht engagierte Fachleute wie die FocusCP rehaKIND-Community
„Wir sehen uns sicher wieder, denn es gibt sie: Die Menschen, denen die Versorgung dieser besonderen Patientengruppe nicht egal ist, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe lieben und vom Miteinander profitieren wollen. Beim FocusCP rehaKIND Kongress kommen sie zusammen. Stolz und dankbar haben wir in über 25 Jahren Vereinsgeschichte eine einmalige „Community“ gebildet“, resümiert rehaKIND Gründungsmitglied Christiana Hennemann. „Herzblut und Kreativität, gepaart mit Expertenwissen und großer Fachlichkeit werden die jungen Menschen mit Behinderungen nicht aus den Augen verlieren. Ich bin optimistisch, dass uns dies auch in Zeiten knapper werdender Mittel gelingt. Als Gesellschaft sind wir verantwortlich für deren Lebensqualität und Zukunft.“

Titelbild: Keynote Speaker Janis McDavid machte Mut zu unkonventionellen Lösungen. Foto: rehaKIND/Baumann

Quelle Text und Abbildungen: rehaKIND e.V.

12. Februar 2026