Ältere Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, sollten daher so früh wie möglich mobilisiert und physiotherapeutisch behandelt werden. Dazu raten die Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK). „Eine Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass ältere Patienten in einem Alter über 80 Jahren, die wegen einer erworbenen Lungenentzündung auf der Intensivstation behandelt werden mussten, von einer früh einsetzenden Physiotherapie deutlich profitieren: Wenn sie bereits am ersten Tag nach der Krankenhausaufnahme für 40 Minuten täglich Physiotherapie (u.a. mit aktivem Abhusten und Atemtraining) erhielten, konnten sie früher aus der Intensivstation wie auch aus dem Krankenhaus entlassen werden und anschließend ihre Alltagsaktivitäten wieder erheblich besser bewältigen als Patienten, die erst eine Woche nach der Aufnahme physiotherapeutisch behandelt wurden“, berichtet Dr. med. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers.Andere Studien haben gezeigt, dass die Häufigkeit von Bettruhephasen direkt mit der Sterblichkeit in Zusammenhang steht. Älteren Menschen droht nach Bettruhe häufig das sogenannte Immobilisationssyndrom. Darunter versteht man, dass eine Immobilisation des Körpers oder auch nur eines Körperteils bei älteren Menschen besonders schnell zu einem Entkräftungsprozess führen kann, und zwar aufgrund eines beschleunigten Muskel- und Knochenschwunds, zunehmender Gelenksteife sowie neurologischer, kognitiver und psychischer Beeinträchtigungen.
Während die Muskelkraftreserve für Verrichtungen des täglichen Lebens bei jungen Menschen zwischen 20% und 35% liegt, werden bei geriatrischen Patienten nur noch Werte von teilweise unter 5% gefunden. Durch Bettruhe treten bei Älteren auch in Knochen, Knorpeln und kollagenem Bindegewebe von Bändern, Kapseln und Gelenken rasch erstaunlich große Veränderungen auf. Diese beschleunigten Ab- und Umbauvorgänge tragen wesentlich zur Knochenschwäche (Osteoporose) bei und verursachen eine abnehmende Belastbarkeit von kollagenen Skelettstrukturen. „Insofern kann eine Lungenentzündung bei älteren Menschen nach längerer Bettruhe unter Umständen einen Verlust der Fähigkeiten zur selbständigen Erledigung von alltäglichen Tätigkeiten und zur Selbsthilfe herbeiführen. Dem Risiko eines solchen Immobilisationssyndroms kann aber durch eine frühzeitig einsetzende physiotherapeutische Therapie wirksam entgegengewirkt werden“, betont Dr. Voshaar.
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