Bauchlagerung – wieso kann das die Sauerstoffversorgung von Covid-Patienten verbessern?

Bauchlagerung – wieso kann das die Sauerstoffversorgung von Covid-Patienten verbessern?


Eine Lagerung auf dem Bauch kann auch bei Patienten mit akutem Lungenversagen und solchen, die beatmet werden müssen, angewendet werden. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, sollte der Patient aber mindestens 16 Stunden pro Tag in Bauchlage verbringen. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung hin.

Bei Fernsehaufnahmen von Covid-19-Patienten im Krankenhaus sieht man oft auch Betroffene, die auf dem Bauch liegend gebettet wurden. Studien belegen, dass eine solche Bauchlage bei einer Lungenentzündung eine bessere Sauerstoffversorgung ermöglicht. Warum das so ist, erklärt Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach: „In Bauchlage werden die dorsalen Lungenbereiche (auf der Rückenseite), die anatomisch bedingt über mehr Lungenbläschen als die ventralen Bereiche (auf der Bauchseite) verfügen, nicht durch das Eigengewicht des Oberkörpers zusammengedrückt. Dadurch kann sich auch die Dynamik des Zwerchfells beim Ein- und Ausatmen steigern, zusätzlich können sich Sekrete in der Lunge besser lösen, so dass sich insgesamt die Belüftung und die Durchblutung der Lunge verbessern.“


Betroffene sollten mindestens 16 Stunden pro Tag in Bauchlage verbringen
Deshalb wird die Bauchlagerung bei Patienten mit schlechter Sauerstoffversorgung eingesetzt, insbesondere wenn andere Versuche der Sauerstoffzufuhr nicht mehr ausreichen. „Eine Lagerung auf dem Bauch kann auch bei Patienten mit akutem Lungenversagen und solchen, die beatmet werden müssen, angewendet werden. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, sollte der Patient aber mindestens 16 Stunden pro Tag in Bauchlage verbringen“, berichtet Prof. Gillissen. Eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung kann sich bereits eine Stunde nach der Umlagerung oder aber mit bis zu 24 Stunden Verzögerung einstellen. Ausgenommen von dieser Art der Lagerungstherapie sind Patienten mit Schocksyndrom, instabiler Wirbelsäule, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufschwäche, starken Blutungen oder Verletzungen im Gesicht oder Rumpf sowie Schädelhirntrauma.


Beim Lagerungswechsel sind mögliche Komplikationen sorgsam zu vermeiden
Zwar kann es auch in Bauchlage zu einer verminderten Belüftung (in den ventralen Lungenbereichen) kommen. „Dies ist aber weniger dramatisch als in Rückenlage und lässt sich nach Umlagerung des Patienten auch schnell wieder beheben. Beim Lagerungswechsel muss das Pflegepersonal allerdings sorgsam darauf achten, mögliche Komplikationen – wie z. B. eine Verlagerung des Katheters oder Beatmungsschlauchs – zu vermeiden und die Bildung von Ödemen zu verhindern“, betont Prof. Gillissen.

Quelle: www.lungenaerzte-im-netz.de