rehaKIND startet Kompetenzprogramm für die Hilfsmittelversorgung von Kindern mit Behinderung
Der Fachkräftemangel trifft die Hilfsmittelversorgung dort, wo spezialisiertes Wissen unmittelbar gebraucht wird: in Beratung, Anpassung und Begleitung. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung kann damit aus einem betrieblichen Personalengpass schnell eine Versorgungsfrage werden. Unternehmen brauchen deshalb zusätzliche Wege, um geeignete Fachkräfte abseits der klassischen Ausbildung zu gewinnen, spezialisiertes Wissen breiter zu verankern und damit ihre personelle Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern. Genau hier setzt das neue „rehaKIND Kompetenzprogramm Hilfsmittel“ an: Ab 2027 bietet es eine berufsbegleitende Weiterbildung für Menschen, die neu in die Kinderhilfsmittelversorgung einsteigen und gezielt für dieses anspruchsvolle Versorgungsfeld qualifiziert werden sollen. Die Qualifizierung erstreckt sich über rund zwölf Monate und verbindet Schulungsphasen gezielt mit der praktischen Tätigkeit im Betrieb.
Die Fachkräftebasis der Hilfsmittelbranche altert, während über die klassischen Ausbildungswege immer weniger Nachwuchs nachkommt: 2023 war fast jede zweite Fachkraft in der Orthopädie- und Rehatechnik 50 Jahre oder älter; zugleich ist die Zahl der Gesellenprüfungen seit 2016 zurückgegangen. Besonders deutlich zeigt sich der Fachkräftemangel in der direkten Versorgung: 89,39 Prozent der bereits betroffenen Unternehmen geben in der Branchenumfrage 2026 von „Wir versorgen Deutschland“ an, dort die stärksten Auswirkungen zu spüren. Die Zahlen beziehen sich auf die Hilfsmittelbranche insgesamt, zeigen aber, dass es sich nicht um einzelne betriebliche Engpässe, sondern um eine strukturelle Entwicklung der Branche handelt.
„Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen braucht Menschen, die medizinische und funktionelle Zusammenhänge verstehen, Hilfsmittel beurteilen, Familien beraten und interdisziplinär arbeiten können. Die dafür erforderlichen Kompetenzen müssen systematisch aufgebaut werden. Genau darin liegt auch eine Chance für die Fachkräftegewinnung: Wenn Unternehmen gezielt qualifizieren, können sie ihren Blick über die klassischen Ausbildungswege hinaus erweitern und zusätzliche Fachkräftepotenziale erschließen. So verbreitern sie ihre personelle Basis, sichern spezialisiertes Fachwissen und tragen zugleich dazu bei, dass Kinder auch künftig bedarfsgerecht versorgt werden können“, sagt Christiana Hennemann von rehaKIND.
Das Kompetenzprogramm richtet sich deshalb bewusst an Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Unternehmen können damit sowohl vorhandene Mitarbeitende als auch neu eingestellte Kolleg oder Bewerber gezielt für die Kinderhilfsmittelversorgung qualifizieren. Die Weiterbildung ist so angelegt, dass die Teilnehmenden ihre berufliche Tätigkeit während des Programms fortführen und neu erworbenes Wissen unmittelbar in ihrem Arbeitsumfeld anwenden können. Eine bestimmte Ausbildung, technische Vorkenntnisse oder Erfahrung in der Kinderreha sind nicht erforderlich. Entscheidend sind Interesse an der Rehahilfsmittelversorgung für und mit Kindern und ihren Familien, Lernbereitschaft und Offenheit, sich in das spezialisierte Versorgungsfeld einzuarbeiten.
Modular, berufsbegleitend und mit starkem Praxisfokus
Das Kompetenzprogramm ist auf rund zwölf Monate angelegt und verbindet 11 Schulungstage in Präsenz mit 4,5 Online-Tagen, eigenständiger Vor- und Nachbereitung, Transferaufgaben im Betrieb und praxisbezogenen Kompetenznachweisen. Das Kompetenzprogramm ist auf rund zwölf Monate angelegt und verbindet 11 Schulungstage in Präsenz mit 4,5 Online-Tagen, eigenständiger Vor- und Nachbereitung, Transferaufgaben im Betrieb und praxisbezogenen Kompetenznachweisen. Die einzelnen Lernphasen verteilen sich über den gesamten Weiterbildungszeitraum. So werden Weiterbildung und betriebliche Praxis systematisch miteinander verzahnt.
Die Inhalte reichen von medizinischen Grundlagen, Bedarfsermittlung und Beratung über Recht und Finanzierung sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit bis zu Versorgungsbegründung und Fallmanagement. Einen zentralen Bestandteil bilden Praxis-Workshops, in denen die Teilnehmenden direkt mit Hilfsmitteln arbeiten und unterschiedliche Produkt- und Versorgungslösungen kennenlernen.
Die Weiterbildung ist kompetenzorientiert aufgebaut. Ziel ist, dass die Teilnehmenden Bedarfe fachlich einordnen, Versorgungslösungen beurteilen, Entscheidungen nachvollziehbar begründen und Versorgungsprozesse sicher begleiten können. Das Gelernte wird dabei nicht nur innerhalb der Schulungsmodule vermittelt, sondern durch Transferaufgaben in den jeweiligen Betrieb getragen. So bauen die Teilnehmenden schrittweise die Handlungskompetenz auf, die sie für komplexe Versorgungssituationen benötigen – und bringen zugleich zusätzliches Fachwissen in ihre Betriebe.
Antwort auf konkreten Branchenbedarf
Der Impuls für das Kompetenzprogramm kam unmittelbar aus der Branche: „Im rehaKINDFachhandelsbeirat wurde früh deutlich, dass die klassischen Ausbildungswege den wachsenden Personalbedarf allein nicht auffangen können. Gerade in spezialisierten Bereichen wie der Kinderhilfsmittelversorgung brauchen Betriebe deshalb zusätzliche Möglichkeiten, Menschen für diese Aufgaben zu qualifizieren. Das Kompetenzprogramm setzt genau an diesem Bedarf an“, sagt Karsten Werner, Abteilungsleiter des Bereichs Kinderreha/Sonderbau bei der Luttermann GmbH und Mitglied im Fachhandelsbeirat von rehaKIND.
Die Idee wurde anschließend im rehaKIND-Netzwerk mit Beteiligten aus Fachhandel, Hilfsmittelindustrie, Medizin, Therapie, Orthopädie- und Rehatechnik sowie weiteren Bereichen der Kinderrehabilitation weiterentwickelt. So entstand ein Qualifizierungsweg, der den Personalbedarf der Betriebe mit den fachlichen Anforderungen der Kinderhilfsmittelversorgung verbindet.
„Für uns war entscheidend, für diesen Personalbedarf einen tragfähigen Qualifizierungsweg zu entwickeln. Er muss fachlich fundiert sein und sich zugleich mit dem betrieblichen Alltag vereinbaren lassen. Unternehmen brauchen zusätzliche Möglichkeiten, Fachkräfte aufzubauen, ohne beim fachlichen Anspruch an die Versorgung Abstriche zu machen. Genau diese Anforderungen verbindet das Kompetenzprogramm“, so Hennemann.
Start 2027 – Unternehmen können sich jetzt anmelden!
Das rehaKIND Kompetenzprogramm Hilfsmittel startet 2027. Unternehmen können aber jetzt schon prüfen, welche vorhandenen Mitarbeitenden, neu eingestellten Kolleg oder Kandidat aus ihrem Bewerberpool für die Weiterbildung infrage kommen und einen Platz im Programm sichern. Durch den berufsbegleitenden Aufbau kann die Qualifizierung über einen längeren Zeitraum parallel zur Tätigkeit im Unternehmen erfolgen und unmittelbar mit der Versorgungspraxis verbunden werden. Wer das Kompetenzprogramm zunächst näher kennenlernen möchte, kann an den kostenfreien Online-Veranstaltungen „Fachkräfte für die Kinderreha entwickeln: Was gute Qualifizierung in der Praxis leisten muss“ am 14. Oktober oder 11. November 2026, jeweils von 16 bis 17 Uhr, teilnehmen.
Weitere Informationen zu Aufbau, Programminhalten, Voraussetzungen und Teilnahme am
Kompetenzprogramm Hilfsmittel gibt es unter: www.rehakind.com/kompetenzprogramm-hilfsmittel
Quelle Text und Abbildung: rehaKIND – Internationale Fördergemeinschaft Kinder- und Jugendrehabilitation e.V.
Titelbild: Kampagnenmotiv „rehaKIND Kompetenzprogramm Hilfsmittel“. Foto: rehaKIND/VitalCentrum HODEY KG, KI-bearbeitet
17. September 2026






















































