Neuer Zentren-Kompass zeigt spezialisierte Lungenkliniken in ganz Deutschland

Neuer Zentren-Kompass zeigt spezialisierte Lungenkliniken in ganz Deutschland


Die Behandlung schwerer und komplexer Lungenerkrankungen stellt hohe Anforderungen an die medizinische Versorgung. Ob die Entwöhnung von einer Langzeitbeatmung, interventionelle Verfahren bei schwerem Lungenemphysem oder die Therapie von Lungenkrebs: Für diese Aufgaben braucht es hochspezialisierte Teams, besondere technische Voraussetzungen und umfangreiche klinische Erfahrung.
Wo finden Menschen mit diesen Erkrankungen aber die passende Spezialklinik? Und wohin können Ärzte ihre Patienten zur weiterführenden Behandlung überweisen? Orientierung bietet jetzt der neue Zentren-Kompass der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).

Erstmals führt die interaktive Deutschlandkarte vier unterschiedliche Arten ausgewiesener pneumologischer Zentren zusammen. So wird sichtbar, an welchen Klinikstandorten besondere medizinische Expertise gebündelt ist. Das erleichtert medizinischem Fachpersonal ebenso wie Patienten und Angehörigen die Orientierung.

„Nicht jede Klinik bietet sämtliche hochspezialisierten Behandlungen an“, erklärt DGP-Geschäftsführerin Anja Flender. „Entscheidend ist, dass Patientinnen und Patienten dort versorgt werden, wo die erforderliche Expertise vorhanden ist und interdisziplinäre Teams über die entsprechende Erfahrung verfügen. Genau diese Standorte wollen wir deshalb mit unserem neuen Zentren-Kompass leicht auffindbar machen, der damit auch das Spektrum von Diagnostik und Therapie von Atemwegs- und Lungenkrankheiten widerspiegelt.“

Hochspezialisierte Versorgung auf einen Blick
Bislang waren die Informationen zu den spezialisierten Einrichtungen auf verschiedene Register und Internetseiten verteilt. Der Zentren-Kompass führt nun erstmals vier unterschiedliche Kategorien zusammen: DGP-zertifizierte WeanNet-Zentren zur Entwöhnung von der Langzeitbeatmung, Lungenzentren nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), zertifizierte Zentren für die interventionelle und chirurgische Behandlung des schweren Lungenemphysems (ICLEZ) sowie Lungenkrebszentren mit einer Zertifizierung nach den OnkoZert-Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Über die interaktive Deutschlandkarte können Interessierte gezielt nach Städten, Postleitzahlen oder Kliniken suchen und die Ergebnisse nach den vier Kategorien filtern. Dabei wird auch deutlich, ob eine Einrichtung über mehrere Zertifizierungen beziehungsweise Ausweisungen verfügt. Hinterlegt sind zudem weiterführende Informationen zu den einzelnen Klinikstandorten – darunter Kontaktdaten, Ansprechpartner und Klinikwebsite.

„Für behandelnde Fach- und Hausärzte bedeutet das eine erhebliche Erleichterung bei der Suche nach geeigneten Einrichtungen zur Weiterbehandlung ihrer Patientinnen und Patienten“, erläutert Anja Flender die Motivation der Fachgesellschaft. „Gleichzeitig können sich Betroffene und Angehörige darüber informieren, wo sie für bestimmte komplexe Lungenerkrankungen spezialisierte Ansprechpartner finden. Es war uns bei der Entwicklung wichtig, dass das Angebot ohne medizinische Vorkenntnisse verständlich und ebenso für Fachleute hilfreich ist.“

Die hochspezialisierte pneumologische Versorgung in Deutschland ist vielfältig
Der Zentren-Kompass wurde in den vergangenen Monaten innerhalb der DGP entwickelt. Eine besondere technische Herausforderung bestand darin, die Informationen aus unterschiedlichen Registern zusammenzuführen. Schnittstellen zu den Partnerorganisationen sorgen jetzt dafür, dass neue Zertifizierungen, Rezertifizierungen und Änderungen automatisiert in die Plattform einfließen und die Angaben stets aktuell sind.

Für Anja Flender ist die neue Übersicht deshalb weit mehr als eine praktische Suchfunktion: „Die hochspezialisierte pneumologische Versorgung in Deutschland ist vielfältiger, als vielen Menschen bewusst ist. Hinter diesen Zentren stehen erfahrene Teams, besondere Strukturen und klar definierte Qualitätsanforderungen. Mit dem Zentren-Kompass zeigen wir erstmals auf einer gemeinsamen Karte, wo diese Expertise vorhanden ist. Das erleichtert die Orientierung und macht zugleich deutlich, welchen hohen Spezialisierungsgrad die moderne Lungenmedizin erreicht hat.“

Der neue Zentren-Kompass ist ab sofort abrufbar unter:
https://pneumologie.de/zentren-kompass

Hintergrund: Die spezifischen Zertifizierungen kurz erklärt
Der neue Zentren-Kompass vereint vier unterschiedliche Arten spezialisierter pneumologischer Einrichtungen, die besondere Anforderungen an ihre medizinische Expertise, Ausstattung und Versorgungsstrukturen erfüllen müssen. Sie unterscheiden sich sowohl hinsichtlich der behandelten Krankheitsbilder als auch in ihren Aufgaben und Zertifizierungsverfahren.

WeanNet – Spezialisierte Entwöhnung von der Langzeitbeatmung
Nicht jeder Patient kann nach einer schweren Erkrankung oder einem längeren Aufenthalt auf der Intensivstation problemlos von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden. Bei besonders schwierigen und langwierigen Verläufen ist die Behandlung in einem spezialisierten Weaning-Zentrum erforderlich. Hier arbeiten erfahrene Pneumologen, Intensivmediziner, Atmungstherapeuten, Pflegefachkräfte und weitere Berufsgruppen eng zusammen. Die Zentren verfügen über besondere personelle und technische Voraussetzungen, um Patienten schrittweise von der Beatmung zu entwöhnen und ihre weitere Versorgung zu planen. Die Zertifizierung erfolgt durch die DGP anhand eines Kriterienkatalogs, der auf der medizinischen Leitlinie zum prolongierten Weaning basiert. Das Zertifikat wird jeweils für drei Jahre vergeben.

Lungenzentren (G-BA) – Besondere Expertise auch für weitere Krankenhäuser
Diese Zentren übernehmen über die eigene Patientenbehandlung hinaus besondere Aufgaben in der pneumologischen Versorgung. Sie unterstützen beispielsweise andere Krankenhäuser bei komplexen Krankheitsverläufen, seltenen Infektionserkrankungen wie Tuberkulose, interstitiellen Lungenerkrankungen oder schwerer COPD. Dazu gehören fachärztliche Beratung, interdisziplinäre Fallkonferenzen und der Austausch über geeignete Behandlungsstrategien. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legt hierfür einheitliche Qualitätsanforderungen fest, unter anderem zur personellen Ausstattung, zu spezialisierten Behandlungseinheiten und zur klinischen Erfahrung. Eine Weaning-Einheit gehört zu den erforderlichen Strukturen. Die Ausweisung als Lungenzentrum erfolgt durch die zuständigen Landesbehörden.

ICLEZ – Spezialisierte Eingriffe bei schwerem Lungenemphysem
Bei einem schweren Lungenemphysem ist das Lungengewebe dauerhaft geschädigt, wodurch die Atmung erheblich beeinträchtigt sein kann. Für ausgewählte Patienten kommen aufwendige bronchoskopische oder thoraxchirurgische Verfahren zur Lungenvolumenreduktion infrage. Ob und welches Verfahren geeignet ist, muss sorgfältig geprüft werden. Dafür ist die enge Zusammenarbeit von Pneumologie, Thoraxchirurgie und Radiologie erforderlich. Die Zertifizierung als interventionelles chirurgisches Lungenemphysem-Zentrum (ICLEZ) bestätigt, dass die Einrichtung definierte Qualitätsanforderungen erfüllt. Sie wird durch das Lungenemphysem-Register im Auftrag der DGP, der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) und der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) durchgeführt. Die Zentren werden auditiert und beteiligen sich an der Versorgungsforschung.

OnkoZert – Interdisziplinäre Behandlung von Lungenkrebs
Die Diagnose Lungenkrebs erfordert eine individuell abgestimmte Therapie, bei der häufig mehrere Behandlungsverfahren miteinander kombiniert werden. In zertifizierten Lungenkrebszentren arbeiten deshalb Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen eng zusammen. In regelmäßigen interdisziplinären Tumorkonferenzen werden Untersuchungsergebnisse bewertet und individuelle Behandlungskonzepte festgelegt. Um eine Zertifizierung nach den Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zu erhalten, müssen die Einrichtungen umfangreiche Qualitätsanforderungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zur Qualifikation des medizinischen Personals, zu Behandlungsabläufen und zur Zahl der behandelten Patienten. Die Einhaltung wird durch OnkoZert im Rahmen von Audits überprüft.

Titelbild: Unkompliziert und übersichtlich – der neue Zentren-Kompass der DGP zeigt, über welche Zertifikate die dargestellten Lungenkliniken verfügen. Copyright: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)

3. November 2026