Alpha-1 stellt eine der häufigsten Erbkrankheiten in Nord- und Mitteleuropa dar. Insbesondere Skandinavier sind betroffen, denn offenbar handelt es sich bei dem Gendefekt um ein Wikingererbe. Wie eine Studie aufgezeigt hat, verlieh die Veränderung im Alpha-1-Gen den direkten Vorfahren der Skandinavier, also den Wikingern, eine verstärkte Immunabwehrkraft gegenüber Parasiten und verschaffte ihnen damit einen Überlebensvorteil, sodass die Mutation weiter vererbt wurde, auch wenn sie heutzutage von Nachteil ist.
Das Fatale ist, dass einige Menschen Träger des Gendefekts sind, ohne dies zu wissen. Die Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel tritt nur dann voll in Erscheinung, wenn das defekte Gen in doppelter Ausführung vorliegt. Dann kommt es bereits im frühen Alter zu einer Zerstörung der Lungenbläschen und einem Lungenemphysem (COPD). Hat der Betroffene demgegenüber den Gendefekt nur in einfacher Ausführung geerbt, merkt er meist lange Zeit nichts davon. „Wir Lungenärzte empfehlen vor allem COPD-Patienten, sich einmal im Leben auf Alpha-1 testen zu lassen“, betont Prof. Rabe. Erste Hinweise auf den genetisch bedingten Mangel gibt bereits ein einfacher Bluttest beim Hausarzt: Liegt die Konzentration des Alpha-1-Antitrypsins im Blutserum unterhalb eines bestimmten Grenzwertes, ist dies ein deutliches Indiz für einen Mangel. Die genaue genetische Bestimmung des Ausmaßes des Mangels kann der Arzt dann beim Deutschen Alpha-1-Antitrypsinzentrum an der Universität Marburg veranlassen. Alpha-1-Patienten können zusätzlich zu ihrer symptomatischen Behandlung eine sogenannte Ersatztherapie erhalten, bei der das fehlende Protein dem Körper über eine wöchentliche Infusion zugeführt wird. Dadurch kann das Fortschreiten gebremst werden und die Lebensqualität der Patienten bleibt länger erhalten.
Da Träger des Gendefektes weniger Alpha-1-Antitrypsin als normal bilden, können sie – falls sie rauchen – die Schadstoffe aus dem Tabakrauch noch schlechter abwehren als Gesunde. „Betroffene sind daher gegenüber den Krebs erregenden Inhaltsstoffen des Tabaks besonders empfindlich, haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko und sollten insofern unbedingt auf das Rauchen verzichten und auch Passivrauch möglichst meiden“, rät Prof. Rabe. Falls die Erbkrankheit nicht offensichtlich in der Familie liegt: Betroffen sind vornehmlich Menschen, in deren Familie bereits Fälle von Lungenkrebs oder COPD aufgetreten sind. Insbesondere diese Personen sollten sich auf Alpha-1 testen lassen. Genträger sollten außerdem regelmäßig ihre Lungenfunktion vom Arzt überprüfen lassen.
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